Freitag, 13. Februar 2009

Die Kröte von Neustadt.

In Neustadt, wo sie vorgekommen
hab' eine Geschichte ich vernommen.
Ein Alter der schon etwas spinnert
hat sich genau daran erinnert.

„Vor langer Zeit in uns'rer Stadt
sich Böses zugetragen hat",
so erzählte er mir dann
und zog mich ganz in seinen Bann.

"Ein reicher Bürger, weil betagt
hat zu den Kindern einst gesagt:
"Ich bin nun alt, nicht mehr gesund,
ich denk' das ist ein guter Grund,
weil lang' ich hab' nicht mehr zu leben,
Haus und Hof zu übergeben.
Haltet alles mir in Ehren,
behütet es, versucht's zu mehren.
Als Bedingung bitt' ich aus:
Kost und Pflege hier im Haus.
Wenn ihr das erfüllen wollt
ihr alles jetzt bekommen sollt.

Die Kinder haben schnell versprochen
das Beste Vater stets zu kochen
und ihn zu pflegen bis zum Ende.
So schworen sie es ihm behende.
Sie würden alles für ihn tun
er bräuchte fortan nur zu ruh'n,
beteuerten die beiden ihm
als artiges Geschwisterteam.
Doch insgeheim, so ist die Welt
dachten beide nur ans Geld.

Der alte Mann hat überschrieben
Hab und Gut, nichts ist geblieben.
Er hat sich ganz darauf verlassen
dass man ihm nichts würd' fehlen lassen.

So strich die Zeit recht sorgenfrei
erst für den alten Mann vorbei.
Er lebte zufrieden vor sich hin
und saß zu Hause am Kamin.

Doch später, so nach zwei drei Jahren
musste Undank er erfahren.
Die Pflege für ihn unentbehrlich
wurde den Kindern zu beschwerlich.
Ihnen war das längst zuwider.
Als der Alte lag darnieder
weil erkrankt am Herzen schwer
vernachlässigten sie ihn sehr.

Böse Worte hatte der Sohn
für den Vater nur als Lohn.
Und die Tochter nur noch selten
bracht' zu essen dem alten Herrn.
Dauernd hörte man sie schelten.
Den Vater mocht´ sie nicht mehr gern.

So litt der Alte arge Not.
Sie gönnten ihm nicht 'mal das Brot.
Neideten ihm jeden Bissen
und ließen ihn das auch noch wissen.
Schließlich ist ihr Vater dann
schmachvoll verhungert irgendwann.

Am Morgen als der Vater tot
im Bette lag fing an die Not.

Als die Tochter ging zum Schrank
weil sie das Brot wollt schneiden,
schlug ihr entgegen der Gestank
einer Krott. Sie musste es erleiden.
Auf dem Brot im Schranke saß
die Kröte die d'ran satt sich fraß.
Erschreckt die Tochter ängstlich schrie.
Die Pogge fauchte grimmig und spie,
aus des Schrankes Dämmerlicht,
Krötengift ihr ins Gesicht.

Dem Bruder der herbeigeeilt
die junge Frau hat mitgeteilt
was ihr eben war gescheh'n.
Er konnt' im Schrank die Kröte seh'n.

Die Pogge sah wirklich gruslig aus.
Die Schwester rief: "Schaff' aus dem Haus
das böse Vieh mir auf der Stelle.
Jag es hinaus über die Schwelle."


Doch was die beiden auch versucht,
die Kröte war, so schien's verflucht.
Sie kam immer, immer wieder
und ließ sich auf dem Brotleib nieder.
Kein Stück davon konnt' man mehr essen
auf dem nicht schon die Krott gesessen.

Und weil die Pogg' gar laut gequakt
hat jedesmal wenn sie verjagt
von dem Brotleib wurd am Morgen
blieb dem Nachbarn nicht verborgen,
was sich im Hause nebenan
bei den Geschwistern hat getan.

So ist es an den Tag gekommen
welch End der Vater hat genommen.
Dass die Kinder, diese miesen
den Alten schlicht verhungern ließen,
erfuhr sogar der Magistrat
der sich damit beschäftigt hat.

Die Ratsherrn fassten den Beschluss,
dass etwas geschehen muss.
Sie hängten an die Rathausmauer
zur Abschreckung für die Beschauer
einen steiner'n Brotleib auf,
mit einer steinernen Kröte drauf.
An einer Eisenkette mit Ring
das Mahnmal fest am Rathaus hing.

Wenn Unrecht in der Stadt geschah,
man dann am Pranger stehen sah
den Übeltäter, in Scham und Schande,
mit der Krötenkette als Bande
um den Hals mit Weh und Ach,
verhöhnt,verflucht viel hundertfach.

Dies mussten auch die zwei erfahren
die undankbar zum Vater waren.

Die Krötenkette blieb in Mode.
Für die Erziehung als Methode
um Übeltäter abzuschrecken.
So sollte das Mahnmal es bezwecken.


Als man das neue Rathaus baute
weil das alte ward zu klein,
verschwand die Kette, die vertraute
nebst Brotleib und der Krott aus Stein.

Geblieben bis in uns're Tage
ist einzig und allein die Sage.

In Neustadt Thüringen jedoch
weiß man ganz genau es noch.

Auch der Alte nicht vergaß
die Kröt' die auf dem Steinbrot saß.
Auch wenn er schon ein bisschen spinnert
hat er sich ganz genau erinnert
an die Kinder, jene miesen,
die den Papa verhungern ließen.
Von ihm hab' ich vor hundert Jahren
die Geschichte so erfahren.
Und weil an Sagen wie ihr wisst
stets ein Fünkchen Wahrheit ist,
habe ich sie nach eigenem Belieben
für euch alle hier heut' aufgeschrieben.

R.W. Aristoquakes

Die Traumreise

Die Traumreise

Im Winter unter Schnee und Eis
sprach ein Frosch zum ander'n leis:
"So bitterkalt wie dieses Jahr
schon lange nicht der Winter war".

"So langsam wird mir das zu dumm,
man liegt die ganze Zeit nur 'rum
und ist vor Kälte steif und starr.
Ich wand're aus, bin doch kein Narr.

Ich geh' nach Afrika wo's warm.
Dort hat das Leben viel mehr Scharm,
denn dort scheint die Sonne nur,
von Schnee und Eis gar keine Spur.

Da geh' ich schwimmen jeden Tag.
Manchmal ich 'ne Mücke jag'-
Den Rest des Tages und zwar pur,
genieße ich in der Natur.

Ich ruh' mich aus, das will ich meinen,
lass von der Sonne mich bescheinen
und Nacht für Nacht ganz unbeschwert,
genieße ich das Froschkonzert.

Im Märzen, spätestens April
ich meine Reis' beginnen will.
Was soll ich in der Kälte hier,
wo ich zu Eis noch 'mal gefrier'?

Komm' mit mein Freund, ich lad' dich ein
kannst gern' mein Wegbegleiter sein.
So machen wir gemeinsam dann
in Afrika die Fliegen an."

Gesagt, gequakt und abgemacht.
Es wurd' noch eine lange Nacht,
die man bei uns auch Winter nennt.
Die Frösche haben nur gepennt.

Der Tauwind kam, er blies mit Fleiß
und schmolz hinweg den Schnee, das Eis.
Die Natur im Sonnensegen
begann sich aus dem Schlaf zu regen.

Auch die Frösche ganz gemach,
regten sich und wurden wach.
Streckten ihre starren Glieder.
Frühling war es, endlich wieder.

Sie wühlten aus dem Schlamm sich schnell,
tatsächlich draußen wurd' es hell.
Ausgeruht, voll frischer Kraft
gingen sie auf Wanderschaft.

Bis Afrika da ist es weit.
Ja Afrika das hat noch Zeit,
haben die beiden sich gesagt
und wie jedes Jahr gequakt.

Das Froschjahr begann freudenreich.
gar lustig ging es zu am Teich.
Mücken gab es weit und breit.
All zu schnell verging die Zeit.
Eh' die Frösche sich versahen
spürten sie den Herbstwind nahen.
Die Schwalben sammelten sich schon
zum Verlassen der Region.

Die beiden Fröschlein traumversunken,
hörte man am Schilfrand unken.
"Afrika, wie gern' wär'n wir
in Afrika jetzt und nicht hier".

Am Ufersaum gleich nebenan
hörte der Storch die Rede an,
und weil der gute Adebar
Für Frösche stets zu haben war
lud er die beiden ein zur Reise,
nach Afrika auf seine Weise.

So sind die Frösche letztlich doch
nach Afrika gekommen noch.
R.W.Aristoquakes