Samstag, 6. August 2016

Die Froschprinzessin

Die Froschprinzessin
-ein chinesisches Märchen-
Am mittleren Yangtsekiang wird der Froschkönig sehr eifrig verehrt. Er hat einen Tempel; dort gibt es Frösche zu Tausenden und aber Tausenden, zum Teil von riesiger Größe. Wer sich den Zorn des Gottes zuzieht, in dessen Hause treten seltsame Erscheinungen auf: Frösche hüpfen auf Tischen und Betten umher; in schlimmen Fällen kriechen sie selbst an den glatten Wänden empor, ohne daß sie herunterfallen. Verschiedene Arten von Vorzeichen gibt es; aber alle deuten darauf hin, daß dem Hause Unglück droht. Dann geraten die Bewohner in große Furcht, schlachten ein Rind und bringen es als Opfer dar. So wird der Gott umgestimmt, und es geschieht nichts Weiteres.
In jener Gegend lebte ein Knabe namens Siä Kung-Schong. Er war klug und schön. Als er etwa sechs, sieben Jahre alt war, kam eine grüngekleidete Dienerin in die Wohnung. Sie nannte sich selbst eine Botin des Froschkönigs und teilte mit, daß der Froschkönig seine Tochter dem jungen Siä vermählen wolle. Der alte Siä war ein ehrlicher und beschränkter Mann, und da ihm die Sache nicht paßte, schlug er es ab, weil sein Sohn noch zu jung sei. Trotz dieser Ablehnung wagte man aber doch nicht, nach einer anderen Lebensgefährtin für den Sohn zu sehen.
Einige Jahre waren darüber hingegangen, und der Junge wuchs allmählich heran. Man verabredete eine Heirat mit einem Fräulein Giang.
Der Froschkönig aber teilte ihr mit: "Der junge Siä ist mein Schwiegersohn; wie kannst du dich unterstehen, von verbotenen Früchten zu naschen!" Da fürchtete sich der Vater Giang und nahm sein Wort zurück.
Der alte Siä ward sehr betrübt darüber. Er bereitete ein Opfer und ging in den Tempel zu beten. Er brachte vor, daß er sich unwürdig fühle, mit einem Gott in Verwandtschaft zu treten. Da er aber ausgebetet hatte, zeigten sich in dem Opferfleisch und Wein große Maden, die wimmelnd umherkrochen. Er goß sie aus, bat um Verzeihung und kehrte voll schlimmer Ahnungen heim. Er wußte sich nun nicht mehr zu helfen und ließ den Dingen ihren Lauf.
Eines Tages ging der junge Siä auf der Straße. Da trat ein Bote auf ihn zu, der ihm den Auftrag des Froschkönigs überbrachte, daß er dringend gebeten sei, zu ihm zu kommen. Es blieb ihm nichts übrig; er mußte dem Boten folgen. Der führte ihn durch ein rotes Tor in prächtige, hohe Gemächer. Im Saale saß ein Greis, der wohl achzig Jahre alt sein mochte. Siä warf sich huldigend vor ihm nieder. Der Greis hieß ihn aufstehen und wies ihm einen Platz am Tische an.
Bald kamen Mägde und Weiber hereingedrängt, ihn anzuschauen. Da wandte sich der Greis zu ihnen und sprach: "Geht ins Gemach und saget, daß der Bräutigam gekommen!"
Eilends liefen ein paar Mägde weg. Nach einiger Zeit kam eine Alte aus dem inneren Gemach, die führte an der Hand ein Mädchen, wohl sechzehn Jahre alt und unvergleichlich schön. Auf diese wies der Greis und sprach: "Dies ist mein zehntes Töchterchen. Ich dachte mir, ihr beide passet wohl zusammen. Aber dein Vater hat wegen der Verschiedenheit der Rasse uns verschmäht. Doch ist die eigene Hochzeit eine Sache, die für das ganze Leben wichtig ist. Zur Hälfte nur vermögen sie die Eltern zu bestimmen. Schließlich kommt das meiste auf dich selber an."
Siä hielt seine Blicke auf das Mädchen fest geheftet und gewann sie lieb in seinem Herzen. Schweigend saß er da. Die Alte sprach: "Ich wußte es wohl, der junge Herr ist einverstanden. Geht nur voraus, wir wollen dann die Braut Euch bringen."
Siä sagte ja und eilte, es seinem Vater anzusagen. Sein Vater war ratlos in seiner Aufregung. Er gab ihm einen Vorwand und wollte ihn zurückschicken, um dankend abzulehnen. Aber Siä war nicht gewillt zu gehen. Während der Hin- und Widerreden war der Wagen mit der Braut schon vor der Tür. Eine Schar von Grünröcken umgab ihn, und das Fräulein trat herein und machte vor den Schwiegereltern eine höfliche Verbeugung. Als die sie sahen, waren sie beide froh, und auf den Abend ward die Hochzeitsfeier angesetzt.
Das neue Paar lebte in Frieden und Eintracht. Und seit der Heirat nahten sich die göttlichen Schwiegereltern häufig ihrem Hause. Waren dann die Kleider, die sie trugen, rot, so stand ein Glück, waren sie weiß, so stand ein Gewinn in sicherer Aussicht. Und so wurde die Familie mit der Zeit begütert.
Seit der Verbindung mit den Göttern aber wimmelte es in Zimmern, Höfen und an allen Orten von Fröschen. Und niemand wagte, ihnen etwas zu tun. Nur Siä Kung-Schong war jung und rücksichtslos. War er in guter Laune, so kümmerte er sich nicht um sie; war er aber schlecht aufgelegt, dann kannte er keine Schonung und trat sie gar absichtlich zu Tode.
Die junge Frau war zwar im allgemeinen bescheiden und gehorsam, doch wurde sie leicht heftig. Sie war mit ihres Mannes Tun nicht einverstanden. Aber Siä tat ihr den Gefallen nicht, von seiner groben Art zu lassen. So tadelte sie ihn denn darob. Er aber wurde böse.
"Denkst du", sprach er, "weil deine Eltern Unglück über Menschen bringen können, werde sich ein rechter Mann vor einem Frosch fürchten?"
Die Frau vermied es ängstlich, den Namen "Frosch" zu nennen; so ward sie denn ob seiner Rede zornig und sagte: "Seit ich in eurem Hause bin, haben eure Felder mehr Ertrag gegeben, und beim Verkauf habt ihr höheren Preis erhalten. Das ist doch nicht wenig. Nun aber bei euch alt und jung in der Wolle sitzt und sich herausgefüttert hat, machst du es wie die junge Eule, die ihrer Mutter die Augen aushackt, wenn sie flügge geworden."
Siä wurde noch heftiger und fuhr los: "Schon lange sind mir diese Gaben als unrein zuwider. Solchen Besitz auf Söhne und Enkel zu vererben, bringe ich nicht über mich. Besser wäre es, wir trennen uns gleich."
So verstieß er denn seine Frau, und ehe noch seine Eltern davon erfuhren, war sie schon fort. Die Eltern schalten und hießen ihn schleunigst zu gehen, um sie zurückzuholen. Er aber, noch in vollem Zorn, wollte nicht nachgeben.
In derselben Nacht wurden Mutter und Sohn krank. Sie waren matt und aßen nichts. Der Vater, voll Besorgnis, ging in den Tempel, um Verzeihung zu erflehen. Er betete so ernstlich, daß nach drei Tagen die Kranken wieder gesund waren. Und auch die Froschprinzessin stellte sich wieder ein, und beide lebten glücklich und vergnügt zusammen wie zuvor.
Die junge Frau aber saß den ganzen Tagda, nur beschäftigt mit Putz und Schminke, und kümmerte sich nicht um weibliche Handarbeit. So mußte denn für die Kleider des Siä Kung-Schong immer noch seine Mutter sorgen.
Eines Tages war die Mutter ärgerlich und sprach: "Mein Sohn hat eine Frau, und doch hängt die ganze Arbeit noch an mir. Anderswo dient die Schwiegertochter der Schwiegermuter. Bei uns muß die Schwiegernutter ihre Schwiegertochter bedienen."
Die Prinzessin hörte das zufällig. Aufgeregt kam sie herein und fing an: "Hab ich es etwa daran fehlen lassen, wie es sich gehört, des Morgens und des Abends nach Euch zu sehen? Was mir abgeht, ist nur, daß ich nichts aus Liebe zum schnöden Geld mir selbst alle Mühsal aufladen mag." Die Mutter antwortete kein Wort. Sie weinte nur still vor sich hin ob der erlittenen Beschämung.
Ihr Sohn kam dazu und bemerkte die Tränenspuren seiner Mutter. Er drang in sie nach dem Grund und erfuhr, was sich begeben. Er machte zornig seiner Frau Vorwürfe. Die machte Einwände und wollte ihr Unrecht nicht zugeben. Schließlich sprach Siä: "Bessr keine Frau haben als eine, die ihrer Schwiegermutter keine Freude macht! Was kann mir der alte Frosch schließlich tun, wenn ich ihn böse mache, als daß er Unglück schickt und mir das Leben nimmt?" So verstieß er abermals seine Frau.
Die Prinzessin verließ das Haus und ging weg. Am anderen Tag brach im Wohnhaus Feuer aus, das auf mehrere Gebäude übersprang; Tische, Betten, alles war verbrannt.
Siä ergrimmte darob, ging in den Tempel um sich zu beklagen. "Eine Tochter aufziehen, die ihren Schwiegereltern nicht zu Gefallen ist, zeigt, daß man keine Zucht im Hause hat. Und nun bestärkt Ihr sie sogar in ihren Fehlern. Man sagt, die Götter seien höchst gerecht. Gibt es auch Götter, die die Menschen lehren, ihre Frau zu fürchten? Außerdem, die ganze Streiterei ging nur von mir allein aus. Meine Eltern hatten nichts damit zu tun. Gebührte Beil und Säge mir, gut, Ihr konntet es mir selbst zufügen. Aber Ihr habt es nicht so gemacht. So will ich denn auch Euer Haus verbrennen, um mir die Befriedigung der Rache zu verschaffen."
Nach diesen Worten häufte er Brennholz vor dem Tempel zusammen, schlug Feuer und wollte es anstecken. Die Nachbarn strömten herzu und machten ihm Vorstellungen. Da fraß er seinen Zorn in sich hinein und ging nach Hause.
Als seine Eltern davon hörten, entfärbten sie sich vor großer Furcht. Zur Nachtzeit aber erschien der Gott den Leuten in dem Nachbardorf und befahl ihnen, das Haus seines Eidams wieder aufzubauen. Als es Tag ward, schleppten sie Bauholz an, und es drängten sich die Arbeiter. Und alle fingen an, für Siä zu bauen. Was er auch sagte, sie ließen sich nicht abhalten. Den ganzen Tag waren fortwährend Hunderte von Arbeitern unterwegs. Und nach ein paar Tagen waren alle Räume wieder neu gebaut, alle Geräte, Vorhänge und Möbel standen vollzählig da. Und als die Arbeit fertig war, da war auch die Prinzessin wiedergekommen. Sie stieg zum Saal empor und bekannte ihre Schuld mit vielen zärtlichen und liebreichen Worten. Dann wandte sie sich zu Siä Kung-Schong und lächelte ihm seitwärts zu. Im ganzen Haus war statt des Grolls die Freude eingekehrt. Und seitdem war die Prinzessin besonders friedfertig. Zwei Jahre vergingen, ohne daß ein böses Wort gefallen wäre.
Die Prinzessin verabscheute aber gar sehr die Schlangen. Einst tat zum Scherze der junge Siä
ein kleines Schlänglein in ein Päckchen. Das gab er ihr und hieß sie es zu öffnen. Sie wurde blaß und machte ihm Vorwürfe. Da wurde auch bei ihm aus dem Scherze Ernst, und es gab böse Worte.
Endlich sprach die Prinzessin: "Diesmal will ich nicht warten, bis ich verstoßen werde. Nun ists entgültig aus." Damit ging sie zur Tür hinaus.
Der Vater Siä geriet in große Angst und züchtigte den Sohn selbst mit dem Stabe und bat den Gott um gütiges Verzeihen. Zum Glück folgte nichts Böses. Alles blieb still und ohne Laut.
So verging über ein Jahr. Siä Kung-Schong sehnte sich nach der Prinzessin und ging ernstlich in sich. Im geheimen schlich er sich in den Tempel des Gottes und klagte um die Prinzessin. Aber da war keine Stimme noch Antwort. Bald darauf hörte er auch noch, daß der Gott seine Tochter einem anderen Manne verlobt habe. Da verlor er im Herzen die Hoffnung und suchte auch eine neue Verbindung einzugehen.. Doch fand er trotz allen Suchens keine, die der Prinzessin gleichgekommen wäre. So mehrte sich denn seine Sehnsucht nach ihr. Er ging in das Haus Yüan, wohin sie, wie es hieß, versprochen worden. Da hatten sie schon die Wände gestrichen und den Hof gekehrt, und alles war zum Empfang des Brautwagens vorbereitet. Reue und Unwille übermannten ihn. Er aß nicht mehr und wurde krank. Seine Eltern waren ganz betäubt von Sorge um ihn, unfähig, einen Rat zu ersinnen.
Plötzlich fühlte er mitten in seinem Hindämmern, wie jemand ihn streichelte und sprach: "Wie stehts mit unserm rechten Mann, der durchaus seine Frau verstoßen wollte?"
Er tat die Augen auf, da war es die Prinzessin.
Voll Freude sprang er empor und sprach: "Wie kamst du nur wieder?"
Die Prinzessin antwortete:
"Eigentlich hätte ich nach deiner Art, die Leute schlecht zu behandeln, meines Vaters Befehl gehorchen und einen andern nehmen sollen. Tatsächlich lagen auch schon die Brautgeschenke der Familie Yüan bei uns im Haus. Aber ich sann und sann und konnte es nicht über mich bringen. Für heute Abend war die Hochzeit festgesetzt, und mein Vater hielt es für eine Schmach, das Brautgeschenk zurückzubringen. Ich nahm die Sachen selbst und stellte es ihnen vor die Tür. Als ich herauskam, lief mein Vater neben mir her. "Verückte Dirne", sagte er, "daß du nicht auf meine Worte hörst! Wenn dir bei den Siäs es künftig wieder schlecht ergeht, so frag ich nichts danach. Mögen sie dich totmachen, heim kommst du mir nicht mehr."
Gerührt von ihrer Treue fielen dem Siä die Tränen nieder. Die Diener eilten voller Freude zu den Eltern, ihnen die frohe Nachricht zuz bringen. Als die es hörten, warteten sie nicht ab, bis die jungen Leute zu ihnen kamen, sondern liefen selber in das Haus des Sohnes, faßten sie beide bei der Hand und weinten. Der junge Siä war nun allmählich auch gesetzt geworden und ließ seinen Mutwillen. So ward die Liebe zwischen ihm und seiner Frau von Tag zu Tag aufrichtiger.
Einst sprach die Prinzessin zu ihm: "Früher, als du mich immer so schlecht behandeltest, da fürchtete ich, wir würden nie zusammenbleiben bis ins Alter. Darum wagte ich es nicht, einem unglücklichen Kinde das Leben zu geben. Nun ist das alles anders, und ich will dir einen Sohn gebären."
Und richtig, nicht lange danach erschienen die göttlichen Schwiegereltern in roten Gewändern wieder im Haus, und tags darauf kam die Prinzessin nieder. Und zwei Söhne auf einmal konnte der glückliche Vater herzen.
Von da ab hörte der Verkehr mit Froschkönigs nicht mehr auf. Wenn jemand aus dem Volk den Gott zum Zorn gereizt, so suchte er erst bei dem jungen Siä Fürbitte zu erlangen und schickte Frau und Tochter in vollem Staat zu der Froschprinzesssin, um sie anzuflehen. Lachte die Prinzessin, so war alles gut.
Die Familie Siä hat eine große Nachkommenschaft. Die Leute nennen sie Froschmännchen.
Nahestehende wagen nicht den Namen zu brauchen, aber Fernstehende rufens ihnen nach.
(Richard Wilhelm, Chinesische Märchen, Köln 1958 )

Frosch und Schnecke

Frosch und Schnecke

Frosch Hops ging eine Wette ein
mit der Weinbergschnecke,
wer als erster würde sein
in der Stadt gleich um die Ecke.

"Auf die Plätze,fertig,los."
Der Frosch er war ein Gernegroß.
Da er sehr gut hüpfen konnt´
lag er von Anfang an in Front.
Hat mit der Schnecke, nach Belieben
seinen Schabernack getrieben.

"Kriech` doch nicht.H,üpf`so wie ich,"
verulkte er sie lästerlich.
"Wenn du weiter willst so schleichen
wirst die Stadt du nie erreichen."

D`rauf die Schnecke recht besonnen:
"Du hast längst noch nicht gewonnen."

Doch der Frosch der höhnte nur.
"Du klebst noch fest in deiner Spur."
"Nimm ein Beispiel dir an mir.
Und dann zeigte er es ihr.
Drei Sätze,Flopp,Flopp,Flopp,
um die Ecke Froschgalopp.

Als er vor der Mauer stand
das Stadttor er verriegelt fand.
Mußt`warten dort die ganze Nacht.
Erst morgens wurde aufgemacht.

Inzwischen,stetig schlich und kroch
die Weinbergschnecke immer noch.
Am Morgen, es war 5 Uhr-zehn
konnt`man sie vor`m Stadttor seh`n.
Und für die Schnecke ganz gewiss,
war das Tor kein Hinderniss.
Sie überwand die steile Glätte
und gewann schließlich die Wette.

Der Frosch,viel später voller Scham
ihr zu grattulieren kam.
Er wußte: Seine große Klappe
trug die Schuld an seiner Schlapppe.

Freitag, 6. Januar 2012

Das ausgewitzte Fröschlein


Das ausgewitzte Fröschlein
Der Rabe Hunz, mehr grau als schwarz
besuchte seinen Freund im Harz.
Er traf ihn dort in Zellerfeld
wo ihn der Freund hatt' hinbestellt.

Herr Kraah aus Klaustal war schön dick,
sein Federkleid kolkschwarz und schick
glänzte gleich einem samtenen Frack
so wie schwarze Schuh' aus Lack.
Von Hunz sogleich danach befragt
wie's käm', dass er so gut genährt,
hat Kraah zum Freund nur "Frosch" gesagt,
und danach ihn kurz aufgeklärt.

"Mein Bäuchlein habe ich bekommen
weil Frösche ich zu mir genommen.
Die sind an Vitaminen reich.
Es gibt sie fast in jedem Teich.
Probier es aus, nach kurzer Zeit
ist glänzend auch dein Federkleid."

Da flog der Rabe Hunz sogleich
schnurstarcks eilig zum nahen Teich
wo am Schilfrande im Gras

glotzäugig ein Fröschlein saß.


Das schnappte er am Ufersaum
und flog mit ihm im Beuteglück
hurtig in sein Nest zurück
hoch auf einem Baum.
Dort wetzte er den Schnabel sich
was für den Frosch klang schauerlich,
denn, so dachte der indessen.
"O weh, jetzt werd`ich aufgefressen".
Doch weil der Frosch war ausgewitzt
sprach zum Vogel er verschmitzt.


"Auch wenn du mich gleich fressen willst,
und deinen Hunger an mir stillst,
habe ich keine Angst vor dir,
vorausgesetzt du frißt mich hier.
Ich hoffe dass du gnädig bist,
und mich nicht am Teiche frißt.
Würdest du's dort unten machen,
würde mich mein Volk verlachen.
Ach hab Erbarmen doch mit mir
Drum bitt ich dich, verspeis' mich hier,

Der Rabe, hungrig doch gerissen
dachte an all die Leckerbissen
die er für sein Fressverlangen
sich am Wasser könnte fangen.
Über die Nachricht sehr erfreut,
weil er den Hals nicht voll konnt kriegen,
schnappte sich den Frosch erneut
um mit ihm dorthin zu fliegen.
Er sah die vielen anderen gleich
die dort noch lebten all am Teich
und sprach zum Frosch: "Ich danke dir,
dass du gezeigt hast all dies mir."
Dann wetzte er an einem Stein
Den Schnabel sich in seiner Gier
um sie im gierigen Verlangen
Zum Mittagstische sich zu fangen.
Der Frosch, das ausgewitzte Tier
sprang in den Teich indes hinein.
Die Frösche quakten: "Welch ein Narr"
Da wurde auch dem Raben klar
Dass Eitelkeit, Dummheit und Gier
Sind für ein Vogel schlechte Zier.

R.W. A.
nach einer alten Fabel

Amsel und Kröte


Amsel und Kröte.


In einer Mär aus dem Tessin
steckt mancherlei an Wahrheit d'rin.

Einstmals vor vielen, vielen Jahren
ist der Kröte widerfahren
etwas das gereicht zur Ehr'
ihr, sie vergaß es nimmermehr.

An einem schönen Sommertag
trafen sich zum Acht-Uhr-Schlag
Amsel und Kröt`in Brusino
im Dorfe unten irgendwo.
Nahe der Kirche am Wiesenrain
ließ man sich auf`s Wetten ein.

Die Amsel sprach im Übermut
zur Kröte: "Beweise deinen Mut.
Lass uns eine Wett`abschließen.
Wer gewinnt, der sei gepriesen.
Wer als erster auf der Alp
beim Senner ist, bei Kuh und Kalb
und dem Cecch die Milch wegstiehlt
gewinnt.Der andre hat verspielt."
"Einverstanden, abgemacht,"
sprach die Kröte mit Bedacht.
Sie wusste , dass das Vögelein
mit einem Schwung konnt' oben sein.
Drum hat sie nicht lang' zugebracht,
sich alsbald auf den Weg gemacht.

Während sie bedächtig schritt,
flog die Amsel mit ihr mit.
Drehte froh nach Amselweise
in den Himmel ihre Kreise.
Sang dazu mit lautem Schall
saß man sie hörte überall.

"Oh,wie schön wird es dort droben,"
hörte man sie selbst sich loben,
"wenn ich gleich mit frohem Sinn
unsre Wette leicht gewinn.
Ach wie gut, dass ich kann fliegen.
Ich ruh mich aus, hab' Zeit zum Siegen,
denn das plumpe Krötentier
braucht drei Tage, wenn nicht vier,
während ein Flügelschlag im Wind
mich hinaufträgt ganz geschwind."


Dann flog sie zum Holunderstrauch
und schlief erst mal nach Amselbrauch.

Die Kröte indes kroch und kroch.
Selbst in der Nacht da kroch sie noch.
Langsam, ganz sachte, Stein um Stein,
kroch sie dahin beim Vollmondschein.
Nach zwanzig Stunden Wanderschaft
hatte sie den Berg geschafft.
Und am Morgen in der Früh
molk sie oben Cecches Küh'.

Als dann im Tal die Glochen klangen
hat sie gemütlich angefangen.
Sie trank in aller Ruh die Milch
vom Cecch, der schlief noch dieser Knilch.

Endlich im Tale unten auch
erwachte im Holunderstrauch
die Amsel, zupfte ihr Gefieder.
Da fiel ihr ein die Wette wieder.
Schnell flog sie frohen Mutes los,
denn die Entfernung war nicht groß.
Zwei Flügelschläge: Wuff, wuff und schon
war sie auf der Alp. Zum Hohn
der Kröte hub sie an zu singen,
ihr ein Spottlied darzubringen:

"Ich bin die Erste auf der Alp.
Die Kröte schafft den Weg nicht halb.
Ach du arme Kröte du,
leg' beim Tempo etwas zu.
Ist dir das vielleicht zu schwer?
Sicher schaffst du's gar nicht mehr".

Wie ist die Amsel da erschrocken
als auf der Alp laut mit Frohlocken,
direkt aus dem Butterfaß
herausschallte der Krötenbass:


"Korax, korax, korax quak.
Ist das nicht ein schöner Tag.
Korax, korax, korax quak.
Fertig hab ich schon den Quark
"Korax, quak ich hab' gewonnen,"
hat die Kröte neu begonnen.
"Korax, korax, Milch und Quark
machen müde Kröten stark."

Es hat richtig froh geklungen,
als die Kröte so gesungen.

Die Amsel, nicht mehr froh gelaunt
hörte das Lied und hat gestaunt.
Sie sah es ein dann mit der Zeit.
Auch wer langsam geht kommt weit.

Doch die Kröte rief ihr zu:
"Überheblich das warst du."


R.W. A.
Nach einer Fabel aus dem Tessin




Montag, 2. November 2009

Das Storchennest

Das Storchennest

Einmal lebte da irgendwo ein alter Mann mit seiner einzigen Tochter zusammen. Als er eines Tages hinaus aufs Feld ging, sah er eine große Schlange, die einen Frosch verfolgte. "Du schlechte Schlange!" sagte er, nahm einen Stock und schleuderte sie mit dessen Spitze fort. Der befreite Frosch aber enthüpfte freudig. Der Alte aber ging, über seine Tat zufrieden, nach Hause. Einige Tage darauf kam ein junger Bursche zum Hause und bat dort, ihn über Nacht zu beherbergen. Da er von gutem Aussehen war, verliebte sich die Tochter des Alten bis zur Narrheit in ihn, und als der Alte sah, dass beide jungen Leute aneinander Gefallen fanden, gab er sie ihm, da er den Burschen gut leiden konnte, zur Frau. Er wusste aber nicht, dass jener kein anderer war als die Schlange, die er damals fortgeschleudert hatte und die nun in einen Menschen verwandelt gekommen war, um ihre Rache an ihm zu nehmen. Nach der Heirat der beiden wurde die Tochter krank, und ihr Zustand wurde von Tag zu Tag schlimmer, so dass der Alte in großer Sorge um ihr Leben war. Eines Tages kam ein Wahrsager, den man in dieser Gegend noch niemals gesehen hatte, des Weges, und der Alte rief ihn in das Haus, um ihn wegen des Zustandes seiner Tochter um Rat zu fragen. Der Wahrsager betrachtete die Kranke und sagte dann: "Der Gatte dieser Frau ist kein gewöhnlicher Mensch. Da sie von einem nichtmenschlichen Wesen ein Kind bekommen soll, muss sie daran sterben." Als ihn der Alte fragte, ob es kein Mittel gegen diesen bösen Zauber gäbe, riet ihm der Wahrsager: "Auf dem großen Katsurabaum hinter deinem Haus hat ein Storch sein Nest gebaut. Gebt ihr die drei Eier aus dem Nest zu essen, dann wird sie gerettet werden können." Nun fühlte sich der Alte schon zu schwach und gebrechlich, um selbst auf den Baum zu steigen, und dachte deshalb: "Das kann mein Schwiegersohn für mich tun." Er bat ihn also darum, die Eier aus dem Nest zu holen. Sofort zeigte sich dieser bereit, den Wunsch des Alten zu erfüllen. Aber als er den Stamm zu erklettern versuchte, wollte und wollte es ihm nicht gelingen. Da nahm er plötzlich seine Schlangengestalt an und konnte sich so mühelos am Stamm emporwinden. Kaum aber hatte die Schlange ihren Kopf in das Nest gesteckt, da kamen die alten Störche geflogen und pickten sie so lange mit ihren spitzen Schnäbeln, bis sie es nicht mehr aushalten konnte und von dem hohen Baum herabfiel. Während sich die vom Fall schwerverletzte Schlange im Todeskampf am Boden wand, kamen von überallher unzählig viele Frösche herbeigehüpft und sprangen, laut "Kutabare (stirb,stirb!)" quakend, um sie herum. Im Todesschmerz sich windend stöhnte da der Schlangenmann: "Wenn ich auch sterben muss, die Tochter hier im Haus wird mir dreitausend Schlangen gebären. Wenn sie geboren sind, werden sie euch Frösche verfolgen und fressen und werden mich so rächen!" Nach diesen Worten hauchte der Schlangenmann sein Leben aus. Der Alte war aber nun aufs neue bekümmert und fragte nochmals den Wahrsager um Rat. Der riet ihm: "Am Fest am dritten Tag des dritten Monats gebt eurer Tochter Reiswein mit daraufgestreuten Pfirsichblütenblätter zu trinken, dann werden tausend der ungeborenen Schlangen ohne Schaden zu stiften abgehen. Am Fest des fünften Tages im fünften Monat gebt ihr Reiswein mit Lilienblättern gemischt zu trinken, und es werden nochmals tausend Schlangen abgehen. Am neunten Tag des neunten Monats gebt ihr Reiswein mit Chrysanthemenblütenblättern, dann wird der Rest der Schlangenbrut vernichtet! Ich selbst bin jener Frosch, dem du damals das Leben gerettet hast, zum Dank rette ich nun mit meinem Ratschlag das Leben deiner Tochter!" Damit zog der Wahrsager seines Weges. Man befolgte seinen Rat, und die Tochter wurde wiederhergestellt.

Seit jener Zeit aber ist es in Japan üblich, an diesen drei Festtagen Reiswein mit Pfirsichblüten, Schwertlilienblättern oder Chrysanthemenblüten als Abwehrzauber gegen böse Einflüsse zu trinken.
(H. Hammitzsch).

Freitag, 13. Februar 2009

Jupiter und die Frösche.

Von Aesop stammt recht amüsabel
die Froschtyrannus-Storchenfabel.

Das Froschvolk voller Überdruß
fasste folgenden Beschluß:
"Zum Teufel mit Demokratie.
Wir wollen eine Monarchie."

So hat man diesen Wunsch dann laut
Gott Jupiter auch anvertraut.
Der hat das Flehen gleich erhört.
Weil ihn das Quaken hat gestört
warf er in das Froschgewimmel
einen Holzklotz aus dem Himmel.

Als der Monarch kam so im Flug
die Frösche tauchten unter klug,
denn der Herrscherfürst im Fallen
jagte Angst und Schrecken allen
Fröschen ein in Schilf und Flur
als er in die Binsen fuhr.

Mit dumpfen "platsch" und mit Getöse
landete in voller Größe
der Monarch "vom Ast der Stumpf"
mitten drin in ihrem Sumpf.

Das Froschvolk vom Monarchen erschreckt
hielt ängstlich sich im Schilf versteckt.

Der Herrscher schwamm indes im Teich
still und friedlich durch sein Reich.
Er war ein Klotz, aus Holz geschnitzt.
Das erste Fröschlein ganz gewitzt
reckte aus dem nassen Moor,
vorsichtig den Kopf hervor.

Ängstlich und noch sehr gemach
folgten ihm zwei weit`re nach.
Ein vierter, fünfter sechster nun
rückte nach, um sich hervor zu tun.
Schließlich mutig aus dem Rohr
drängte das ganze Volk hervor.
Näherte respektvoll dann
sich seinem neuen König an.


"Brekekex",der erste quakt.
Bald das ganze Froschvolk wagt
einzustimmen in den Sang.
"Der neue Herrscher lebe lang`!"

Der König, ruhig, mit viel Geduld
nimmt entgegen all die Huld.
Ein junger Hüpfer ziemlich dreist,
dem Herrscher seine Gunst erweist
indem er, was ihm auch gelingt
auf des König`s Schulter springt.

Der nimmt dem Fröschlein das nicht krumm.
Bald tanzen alle auf ihm herum.
Er rührt sich nicht der neue Herr
und bleibt liegen ganz gelassen.
Ihn stört nicht einmal das Geplerr,
seiner glitschigen und nassen
Untertanen in seinem neuen Reich,
beim Volke der Grasfrösche im Teich.


Schon bald der Grünen neues Klagen
ward zu Jupiter hinauf getragen.
"Ach lieber Gott im Himmel dort,
nimm diesen König wieder fort.
Schick`uns, wie man zu sagen pflegt
einen der sich für uns regt.
Schick`uns einer rühr`gen Mann,
der uns recht regieren kann."

Jupiter den Fröschen allen
tat sogleich diesen Gefallen.
Schickte weil er Tierfreund war
ihnen Meister Adebar.

Rührig begann der Storch sogleich
zu regieren dort am Teich.
Manchen Frosch, der quakte dreist
hat der Neue gleich verspeist.
So mancher von der grünen nassen
Fröschen mußt`sein Leben lassen.


Als die Frösch`erneut im Ried
anstimmten ihr Klagelied,
und jammerten in Gottes Ohr,
zu tragen ihre Wünsche vor,
wurd`Jupiter im Himmel stur.
"Was wollt ihr blöden Frösche nur?
Soll ich euerm Wunsch mich fügen?
Könnt ihr euch denn nicht begnügen
mit dem was ihr euch auserkoren,"
so sprach er zu den grünen Toren.
"Mit euerm ersten Regiment,
das jeder als das beste kennt,
welches ich hab`euch beschieden,
ward ihr alle unzufrieden.
Ich schenkte euch Demokratie.
Doch ihr in eu`rer Blasphemie
wolltet einen König küren
der besseres es versteht führen,
wie jener Ast, den ich euch schickte.
Weil jener sanftmütig und gut
Und nicht so, wie der Storch euch zwickte,
gerietet ihr in Übermut.


Nun duldet den, der euch nur drückt.
Er ist von euch gar sehr entzückt.
Seid froh, dass er den Thron bestiegen.
Ihr könntet einen ärg`ren kriegen.

R.W. Aristoquakes
frei nach Aesop
Die Kröte von Neustadt.

In Neustadt, wo sie vorgekommen
hab' eine Geschichte ich vernommen.
Ein Alter der schon etwas spinnert
hat sich genau daran erinnert.

„Vor langer Zeit in uns'rer Stadt
sich Böses zugetragen hat",
so erzählte er mir dann
und zog mich ganz in seinen Bann.

"Ein reicher Bürger, weil betagt
hat zu den Kindern einst gesagt:
"Ich bin nun alt, nicht mehr gesund,
ich denk' das ist ein guter Grund,
weil lang' ich hab' nicht mehr zu leben,
Haus und Hof zu übergeben.
Haltet alles mir in Ehren,
behütet es, versucht's zu mehren.
Als Bedingung bitt' ich aus:
Kost und Pflege hier im Haus.
Wenn ihr das erfüllen wollt
ihr alles jetzt bekommen sollt.

Die Kinder haben schnell versprochen
das Beste Vater stets zu kochen
und ihn zu pflegen bis zum Ende.
So schworen sie es ihm behende.
Sie würden alles für ihn tun
er bräuchte fortan nur zu ruh'n,
beteuerten die beiden ihm
als artiges Geschwisterteam.
Doch insgeheim, so ist die Welt
dachten beide nur ans Geld.

Der alte Mann hat überschrieben
Hab und Gut, nichts ist geblieben.
Er hat sich ganz darauf verlassen
dass man ihm nichts würd' fehlen lassen.

So strich die Zeit recht sorgenfrei
erst für den alten Mann vorbei.
Er lebte zufrieden vor sich hin
und saß zu Hause am Kamin.

Doch später, so nach zwei drei Jahren
musste Undank er erfahren.
Die Pflege für ihn unentbehrlich
wurde den Kindern zu beschwerlich.
Ihnen war das längst zuwider.
Als der Alte lag darnieder
weil erkrankt am Herzen schwer
vernachlässigten sie ihn sehr.

Böse Worte hatte der Sohn
für den Vater nur als Lohn.
Und die Tochter nur noch selten
bracht' zu essen dem alten Herrn.
Dauernd hörte man sie schelten.
Den Vater mocht´ sie nicht mehr gern.

So litt der Alte arge Not.
Sie gönnten ihm nicht 'mal das Brot.
Neideten ihm jeden Bissen
und ließen ihn das auch noch wissen.
Schließlich ist ihr Vater dann
schmachvoll verhungert irgendwann.

Am Morgen als der Vater tot
im Bette lag fing an die Not.

Als die Tochter ging zum Schrank
weil sie das Brot wollt schneiden,
schlug ihr entgegen der Gestank
einer Krott. Sie musste es erleiden.
Auf dem Brot im Schranke saß
die Kröte die d'ran satt sich fraß.
Erschreckt die Tochter ängstlich schrie.
Die Pogge fauchte grimmig und spie,
aus des Schrankes Dämmerlicht,
Krötengift ihr ins Gesicht.

Dem Bruder der herbeigeeilt
die junge Frau hat mitgeteilt
was ihr eben war gescheh'n.
Er konnt' im Schrank die Kröte seh'n.

Die Pogge sah wirklich gruslig aus.
Die Schwester rief: "Schaff' aus dem Haus
das böse Vieh mir auf der Stelle.
Jag es hinaus über die Schwelle."


Doch was die beiden auch versucht,
die Kröte war, so schien's verflucht.
Sie kam immer, immer wieder
und ließ sich auf dem Brotleib nieder.
Kein Stück davon konnt' man mehr essen
auf dem nicht schon die Krott gesessen.

Und weil die Pogg' gar laut gequakt
hat jedesmal wenn sie verjagt
von dem Brotleib wurd am Morgen
blieb dem Nachbarn nicht verborgen,
was sich im Hause nebenan
bei den Geschwistern hat getan.

So ist es an den Tag gekommen
welch End der Vater hat genommen.
Dass die Kinder, diese miesen
den Alten schlicht verhungern ließen,
erfuhr sogar der Magistrat
der sich damit beschäftigt hat.

Die Ratsherrn fassten den Beschluss,
dass etwas geschehen muss.
Sie hängten an die Rathausmauer
zur Abschreckung für die Beschauer
einen steiner'n Brotleib auf,
mit einer steinernen Kröte drauf.
An einer Eisenkette mit Ring
das Mahnmal fest am Rathaus hing.

Wenn Unrecht in der Stadt geschah,
man dann am Pranger stehen sah
den Übeltäter, in Scham und Schande,
mit der Krötenkette als Bande
um den Hals mit Weh und Ach,
verhöhnt,verflucht viel hundertfach.

Dies mussten auch die zwei erfahren
die undankbar zum Vater waren.

Die Krötenkette blieb in Mode.
Für die Erziehung als Methode
um Übeltäter abzuschrecken.
So sollte das Mahnmal es bezwecken.


Als man das neue Rathaus baute
weil das alte ward zu klein,
verschwand die Kette, die vertraute
nebst Brotleib und der Krott aus Stein.

Geblieben bis in uns're Tage
ist einzig und allein die Sage.

In Neustadt Thüringen jedoch
weiß man ganz genau es noch.

Auch der Alte nicht vergaß
die Kröt' die auf dem Steinbrot saß.
Auch wenn er schon ein bisschen spinnert
hat er sich ganz genau erinnert
an die Kinder, jene miesen,
die den Papa verhungern ließen.
Von ihm hab' ich vor hundert Jahren
die Geschichte so erfahren.
Und weil an Sagen wie ihr wisst
stets ein Fünkchen Wahrheit ist,
habe ich sie nach eigenem Belieben
für euch alle hier heut' aufgeschrieben.

R.W. Aristoquakes